Montag, 28. September 2026

Steven und die Aliens

Steven Spielberg dancing like Will Smith with Aliens (ChatGPT)
Nach einer chronologischen Besprechung aller Filme von Steven Spielberg (hier und hier) und einem Ranking möchte ich auch meinen Eindruck zu seinem jüngsten Werk schildern, zumal er damit thematisch zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt ist. 1977 realisierte Spielberg ein Plädoyer für interplanetarische Völkerverständigung vor dem Hintergrund der Déntente-Politik mit CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND (Unheimliche Begegnung der dritten Art). Ein halbes Jahrzehnt später verlegte er die in ENCOUNTERS im globalen Maßstab erzählte Geschichte in die US-amerikanische Suburbia mit Kindern als Hauptdarsteller, und erzielte mit E.T. THE EXTRATERRESTRIAL einen der größten Kinohits der 1980er. Unter dem Eindruck des 11. Septembers präsentierte er 2005 mit der Neuverfilmung des Sci-Fi-Klassikers WAR OF THE WORLDS einen düsteren Gegenentwurf zu seinen ersten beiden Alien-Begegnungen. Ein Vierteljahrhundert nach 9/11 folgt nun also der Gegenentwurf zum Gegenentwurf.

Kann der Altmeister mit seinem jüngsten Werk an die früheren Meilensteine anknüpfen? 

Donnerstag, 17. September 2026

Enterprise trifft Orion


Raumschiff Orion und Enterprise im All
Vor 60 Jahren starteten mit Abstand von etwas mehr als einer Woche zwei Serien, die eine ähnliche Idee verfolgten und damit Fernsehgeschichte schrieben: Am 8. September 1966 Star Trek im US-Fernsehen, am 17. September Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion im Deutschen Fernsehen. Beide erzählen ein "Märchen von Übermorgen", das mehrere hundert Jahre in der Zukunft spielt und von der Weltraum-Erforschung einer friedlich vereinigten Menschheit und deren Begegnung mit außerirdischen Zivilisationen handelt. In beiden Fällen bewältigten die Macher mit enormer Kreativität ein begrenztes Budget. Doch trotz aller Gemeinsamkeiten zeigen sich auch bemerkenswerte Unterschiede - die zum Teil auch in der Mentalität und der Geschichte der Länder begründet sind, in denen sie produziert wurden. 


Samstag, 12. September 2026

Venedig sehen und ...

"Wenn die Gondeln Trauer tragen" Bluray und Buch
Venedig gilt als eine der schönsten Städte der Welt und als romantischer Touristenmagnet. So wurde es auch oft im Film inszeniert, etwa in David Leans SUMMERTIME (Traum meines Lebens, 1955). In den 1970ern setzte ein Trend ein, Venedig von einer morbideren Seite zu zeigen. Angefangen mit Luchino Viscontis Thomas-Mann-Verfilmung Tod in Venedig 1971 über den Giallo Chi l’ha vista morire? (The Child - Die Stadt wird zum Albtraum, 1972) mit Bonddarsteller George Lazenby bis zu DON'T LOOK NOW (Wenn die Gondeln Trauer tragen, 1973). Die Filme zeigten eine düstere, fragile Schönheit der Lagunenstadt, die vielen Menschen aufgrund der Touristenmassen bis dahin verborgen geblieben war. 

Obwohl Wenn die Gondeln Trauer tragen nicht der erste Film war, der Venedig anders darstellte, ist es doch der bis heute berühmteste. Er gilt vielen Kritikern als der beste britische Film und hat deutliche Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen, von den Bondfilmen (wo er sogar dreimal zitiert wird) bis hin zu MULHOLLAND DRIVE. Aber es ist auch eine meisterhafte Literaturverfilmung, und vieles in der komplexen Handlung des Films wurde mir durch die Lektüre von Daphne du Mauriers Vorlage klarer. 

Montag, 8. Juni 2026

Über den Dächern von Turin

Rooftop Race Track Lingotto Turin from The Italian Job
Auf dieser Seite möchte ich auch einige Filmlocations vorstellen, die ich besucht habe. Eine der bemerkenswertesten und coolsten war aus einem britischen Caper-Klassiker: The Italian Job von 1969 (typisch bräsiger deutscher Verleihtitel: Charlie staubt Millionen ab). Dieser Film zeigt eine der verrücktesten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte, in der drei Mini Cooper mit geraubtem Gold vor der Polizei fliehen, oder besser gesagt, die Polizei an der Nase herumführen. Die Jagd geht über Bürgersteige, durch komplette Gebäude, Abwassertunnel, über Dächer und mit einem Abstecher auf eine weltweit einmalige Rennstrecke: Die Teststrecke auf dem Dach der ehemaligen Fiat-Fabrik in Turin. Neuwagen konnten direkt aus der Fabrik über eine spiralförmige Auffahrt hier heraufgefahren und hoch über den Dächern von Turin über die eineinhalb Kilometer lange Piste gejagt werden. 

Heute fahren hier leider keine Autos mehr, und die Fabrik ist - Sie ahnen es sicher - ein Einkaufszentrum. Trotzdem ist die Strecke sehr gut erhalten und für Film- wie Autofans gleichermaßen ein absolutes Highlight. 

Mittwoch, 27. Mai 2026

Heute vor 100 Jahren...

Lust auf eine kleine Zeitreise, in das Berlin des Jahres 1926? Dort passierte heute vor genau 100 Jahren etwas, was filmgeschichtlich relevant ist, von dem es aber heute fast keine Spuren mehr gibt. Wer aus der Gegenwart im Berlin von 1926 ankommen würde, würde eine komplett andere Stadt erleben. Fast so als würde man heute von Berlin nach London reisen. Ankommen würde man mit der Bahn im Anhalter Bahnhof, von dem heute nur noch die Ruine des Portikus existiert. Seinen Namen hatte er durch seine Verbindung ins Anhaltische Dessau und Köthen, die 1841 eröffnet wurde. Über den Anhalter Bahnhof war Berlin unter anderem mit Wien, Karlsbad, Rom, Venedig, Nizza und Athen verbunden. Die Halle des riesigen Kopfbahnhofs war imposant, und brauchte den Vergleich mit entsprechenden Bahnhöfen in London oder Paris nicht scheuen. 

Von der Bahnhofshalle führte exklusiv ein eigener Tunnel direkt in die Lobby des Hotels Excelsior. Vielleicht ging vor 100 Jahren ein frisch verlobtes britisches Paar durch diesen Tunnel, um im Excelsior einzuchecken. 

Montag, 27. April 2026

KI: Kumulative Inkompetenz

Vor circa 30 Jahren passierte etwas, das in vieler Hinsicht heutige Entwicklungen vorausschattete. Anfang 1996 gewann erstmals ein Schachcomputer - Deep Blue von IBM - gegen einen amtierenden Weltmeister, den Russen Garri Kasparow. Kasparow hatte in den 1980er Jahren seine Überzeugung geäußert, nie von einem Computer besiegt werden zu können. Selbst ein Schachduell gegen "die Welt", das offen über das Internet geführt wurde und an dem sich jeder per Abstimmung beteiligen konnte, hatte Kasparow für sich entschieden. Später gab Kasparow an, die Niederlage gegen Deep Blue mit fast körperlichen Schmerzen erlebt zu haben.

Dieses vernichtende Gefühl, von einem Computerprogramm auf einem Gebiet überflügelt zu werden, von dem man immer geglaubt hat, daß es nur Menschen so möglich ist, steht einigen Experten zufolge fast jedem heute lebenden Menschen bevor. Seit das Internet von immer realer aussehenden Clips überflutet wird, bekommen viele so langsam eine Ahnung davon, wie es sich auf die Filmbranche auswirken wird. Der renommierte Drehbuchautor und Regisseur Paul Schrader, der Klassiker wie Taxi Driver oder Raging Bull geschrieben hat, sieht KI-Drehbuchsoftware jetzt schon auf mindestens demselben Niveau wie Menschen. 

Ist Film also vorbei? Zumindest in einem klassischen Sinn, in dem sich Autoren Geschichten ausdenken, Produktionsfirmen Millionenbeträge auftreiben müssen und eine kleine Armee von Kreativen in Studiokulissen oder an realen Orten mit physischen Schauspielern und Kameras diese Geschichten realisiert? Wenn es tatsächlich so kommen sollte, hat die Filmindustrie selbst diese Entwicklung nicht nur mit verschuldet, sondern ihr sogar fruchtbaren Boden bereitet.

Sonntag, 19. April 2026

Als die Sterne fliegen lernten

Warp-Flug mit sich bewegenden Sternen
Foto von Anton Filatov auf Unsplash
Jeder hat wohl andere kleine Rituale an einem verregneten Sonntag. Für mich ist es oft das Schauen einer Folge Star Trek - Das nächste Jahrhundert mit einer Tasse Earl Grey. Die heutige Folge war Todesangst beim Beamen mit einem famosen Dwight Schultz, eine kleine Empfehlung an dieser Stelle. Ein zentrales Bild des Star-Trek-Franchise' - und mittlerweile auch vieler anderer - ist eine dreidimensionale Darstellung des Weltraums mit sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegenden Sternen. Ein ebenso simpler wie genialer Effekt - steht er doch für die zentrale Sehnsucht in der Science Fiction, die Erde als Wiege der Menschheit zu verlassen und in andere Welten aufzubrechen. Für Zuschauer, die dieses Bild zum ersten Mal sahen, hatte es sicher etwas elektrisierendes. Aber wann genau war dieser Effekt eigentlich zum ersten Mal zu sehen? 

Mittwoch, 15. April 2026

Nachspiel einer Katastrophe

Die Titanic-Katastrophe aus deutscher Sicht, Teil 2

Rund 40 Jahre nach dem umstrittenen Titanic von 1943 widmete sich wieder eine deutsche Produktion der berühmtesten Schiffskatastrophe der Geschichte: Titanic - Nachspiel einer Katastrophe. Anders als die meisten Filme zum Thema, die den Untergang nur als Hintergrund für fiktive melodramatische Geschichten nutzen, beruht das Gerichtsdrama auf Protokollen des US-amerikanischen Untersuchungsausschusses und liefert damit ebenso fundierte wie aufschlußreiche Einblicke in die Untersuchungen und die Reaktionen der Beteiligten. Trotz seines Alters von mittlerweile über 40 Jahren wirkt das Fernsehspiel auch heute noch überzeugend und spannend, und zeigt, was Öffentlich-Rechtliches Fernsehen leisten konnte.


Dienstag, 14. April 2026

Ein Drama auf See

Die Titanic-Katastrophe aus deutscher Sicht, Teil 1

Illustration von Willy Stöwer für die Zeitschrift Die Gartenlaube 
Heute vor 114 Jahren hatte die RMS Titanic den letzten Tag ihrer Jungfernfahrt hinter sich und kollidierte in der Nacht zum 15. April mit einem Eisberg. Das Unglück des britischen Luxusliners fasziniert bis heute mehr als jedes andere Schiffsunglück seitdem, und ich möchte die Jahrestage des Unglücks hier zum Anlaß nehmen, über unterschiedliche filmische Perspektiven auf die Katastrophe zu schreiben - in diesem Jahr die deutsche Perspektive. Obwohl der Untergang des Luxusliners vorrangig eine britische Angelegenheit war, waren die ersten Spielfilme darüber interessanterweise deutsche oder deutsch-sprachige Produktionen. Darunter auch die unter dem NS-Regime entstandene Verfilmung Titanic von 1943. 

Im zweiten Teil geht es dann um das deutsche Fernsehdrama Titanic - Nachspiel einer Katastrophe von 1984, das sich als einer der sehr wenigen Filme auf den Untersuchungsausschuß nach der Tragödie konzentriert. Ein heute fast vergessenes Werk, das aber nichtsdestotrotz einer der bemerkenswertesten Beiträge zum Thema ist!

Dienstag, 24. Februar 2026

Die Spur des Bergadlers

Filmplakat "Der Bergadler" 1926
Der Thriller-Meister Alfred Hitchcock prägte den Begriff McGuffin für etwas, das wie ein Ball ins Spiel geworfen wird und die Spieler in Bewegung bringt, selbst aber so unwichtig ist wie der Ball als Gegenstand. Diese Art von Dramaturgie perfektionierte er in seiner rund fünfzigjährigen Regiekarriere immer mehr und inspirierte damit Generationen von Filmemachern. Berühmte Beispiele sind die Weinflaschen in NOTORIOUS, die 40.000 Dollar in PSYCHO oder sogar ein Volkslied in THE LADY VANISHES. Aber kann ein Film selbst zu einem McGuffin werden, zu etwas, hinter dem alle herjagen? 

Hitchcocks zweite Regiearbeit THE MOUNTAIN EAGLE (Der Bergadler, 1926), die er vor genau 100 Jahren in Österreich realisierte, hat das geschafft - wenn auch eher unfreiwillig. Doch wie kam es dazu?

Donnerstag, 5. Februar 2026

Ranking Steven Spielberg

Nach der chronologischen Besprechung aller Filme von Steven Spielberg (siehe hier und hier) folgt hier nun das obligatorische Ranking der 36 Filme. Auch wenn bei so einer Liste immer letzte Plätze zu besetzen sind, muß ich sagen, daß kein Spielberg-Film - am wenigsten auf handwerklicher Ebene - wirklich mißlungen oder gar schlecht ist. Selbst die Filme, die ich weiter hinten platziert habe, weil mir andere einfach besser gefallen, hatten mindestens eine Szene, die ich beeindruckend fand. Deshalb war es insgesamt eine Werkschau, die durchweg Spaß gemacht und meinen Respekt vor Spielberg noch vergrößert hat. 

Auf das Ranking folgt noch eine Liste meiner Lieblingsszenen aus dem Spielberg-Kosmos.

Steven und die Aliens

Nach einer chronologischen Besprechung aller Filme von Steven Spielberg ( hier  und  hier ) und einem  Ranking  möchte ich auch meinen Eindr...