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| Ein 26jähriger Alfred Hitchcock am Set in Italien |
Anläßlich dieses Jubiläums starte ich hier eine Hitchcock-Retrospektive, die sich allen seinen 52 Filmen widmen soll. (Eigentlich sind es 53, aber The Mountain Eagle von 1926 gilt leider als verschollen.) Bei vielen davon habe ich auch die literarische Vorlage gelesen und werde Buch und Film miteinander vergleichen. Oft lohnt sich auch ein Blick auf spätere Verfilmungen dieser Stoffe, da sie sich teilweise enger an das Original hielten, während Hitchcock sich von deren Geschichten meistens nur lose inspirieren ließ. Ein Grund, warum viele Autoren - wie Daphne Du Maurier oder William Somerset Maugham - von seinen Verfilmungen nicht nur begeistert waren.
Ein Hitchcock-Marathon ist gleichzeitig auch eine Zeitreise durch die Filmgeschichte und durch das Goldene Zeitalter des Kinos. Angefangen von den frühen Stummfilmen, dem Aufkommen von Ton, dann Farbe, Film Noir, dem 3D-Boom der 1950er und schließlich dem New Hollywood. In diesem Sinne: Auf Hitch!
Die Geschichte, wie dieser Film zustande kam, ist interessanter als die Filmhandlung an sich. Der Altmeister, den später nie etwas aus der Ruhe brachte, hatte hier noch mit allen möglichen Widrigkeiten zu kämpfen. Das Filmmaterial wurde vom Zoll beschlagnahmt, das Filmbudget gestohlen, so daß er den weiblichen Star der Produktion, einer anspruchsvollen Diva, um Geld anpumpen mußte. Der Lohn für alle Mühen war dann auch noch, daß der Verleiher vom Film nicht sehr angetan war und sich weigerte, ihn in die britischen Kinos zu bringen. Und das, obwohl er bei seiner Münchner Premiere und einer Pressevorführung im Frühjahr 1926 sehr wohlwollend aufgenommen wurde.
Die Story des Films ist ein typisches Melodram dieser Zeit, mit einer ebenso typischen Thematik: Zwei Frauen, von denen sich eine als gutherzig und die andere als falsch erweist. Zwei Jahre zuvor hatte Hitchcock mit The White Shadow eine ähnliche Story geschrieben, die aber noch von einem anderen Regisseur verfilmt wurde. Für den heutigen Zuschauer entstehen durch die Ähnlichkeit der beiden Darstellerinnen und dem Zustand des Filmmaterials leider oft Schwierigkeiten, die beiden auseinanderzuhalten. Die Geschichte folgt dem Liebesleben der beiden, das sich am Ende überkreuzt.
Bemerkenswert ist, daß das für Hitchcock typische Thema des Voyeurismus hier bereits in den ersten Sekunden auftaucht, wenn Showgirls die Bühne betreten und tanzen, und dabei von einer recht zweifelhaft dargestellten Horde Männern gierig begafft wird. Später zeigt er die beiden Freundinnen, wie sie sich eine Wohnung und sogar ein Bett teilen. All das wirkt für 1925 erstaunlich modern. Der Hitchcock-Touch macht sich allerdings erst gegen Ende wirklich bemerkbar, wenn er zeigt, wie der Mann der Protagonistin in den Alkoholismus und schließlich in den Wahnsinn absteigt, seine Geliebte ermordet und schließlich auch sie töten will.
Die Außenaufnahmen des Films entstanden in Italien, in Genua, wo die Abfahrt eines Schiffes eingefangen wurde, und am Comer See. Der noch unerfahrene Hitchcock meisterte diese Auslandsdrehs bei seinem Debüt letztlich sehr gut, trotz aller Schwierigkeiten. Und es gab auch hinter den Kulissen ein Happy End, denn all das schweißten Hitchcock und seine spätere Frau Alma Reville zusammen. Für die nächsten fünfzig Jahre sollten sie ein Dreamteam der Filmgeschichte bilden. An den Comer See kehrten sie regelmäßig zurück.
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| Hitchcock on location am Comer See |


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