Donnerstag, 18. Dezember 2025

Steven Spielberg - Eine Retrospektive

Teil 1: 1968 bis 1997

Steven Spielberg DVD-Box und Buch
Am 70. Geburtstag von Steven Spielberg - am 18. Dezember 2016 - hatte ich eine chronologische Retrospektive mit allen Filmen des Star-Regisseurs begonnen, die ich in diesem Jahr, mit einigen längeren Unterbrechungen, beendet habe. Heute, an seinem 79. Geburtstag, möchte ich hier mal diese Reihe von Besprechungen seiner Filme teilen. Passend auch anlässlich des Teaser-Trailers zu seinem neusten Werk DISCLOSURE DAY, der 2026 startet, und mit dem Spielberg zu seinen Science-Fiction-Ursprüngen zurückkehrt.

Spielberg verdanke ich einige der prägendsten Kino- und TV-Momente überhaupt. E.T. DER AUSSERIRDISCHE und UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART hatte ich als Kind im örtlichen Kino meiner Kleinstadt gesehen. Zusammen mit STAR TREK - DER FILM haben diese Filme meine Liebe zum Kino, zu Science-Fiction und zu Spezialeffekten maßgeblich verursacht. DER WEISSE HAI war einer meiner ersten Horrorfilme im Fernsehen - spätabends bei einem Onkel, der elterliche Verbote mit der Ansage "Jetzt wollen wir erstmal Blut sehen" unterlief. Und JURASSIC PARK schließlich hatte nach dem großen Kinosterben der Wendezeit den regelmäßigen Lichtspielbesuch wieder fest etabliert. 

Obwohl einige Filme im Zuge der chronologischen Sichtung fast reine Pflichtübungen waren, die ich etwas vor mich herschob, muss ich doch sagen, das alle Spielberg-Filme handwerklich äußerst beeindruckende Werke sind, und er auf der rein technischen Ebene keinen einzigen schlechten Film abgeliefert hat. 



Amblin' (1968 )
Der 26 Minuten kurze Film folgt einem jungen Mann und einer jungen Frau, die durch die USA trampen und sich dabei ineinander verlieben, und das komplett ohne Dialoge. Wenn man bedenkt, wie aufwändig eine 35-mm-Produktion damals war, wirkt dieser Film schon sehr professionell und ausgereift. Jede Szene ist sorgfältig aufgebaut und strotzt vor Bildideen. Erzählerisch wirkt der Film zwar spielerisch leicht, aber Spielberg liefert in den 26 Minuten auch eine sehr schöne Metapher für eine langjährige Beziehung zwischen Mann und Frau mit Höhen und Tiefen ab, was für einen 22-Jährigen Regisseur erstaunlich reif wirkt. Er bewies schon mit diesem kleinen Werk ein krasses Gespür für alle filmischen Aspekte.


Duell (Duel, 1971)
Ursprünglich als Fernsehfilm der Woche nach einer Kurzgeschichte von Richard Matheson konzipiert, die im Playboy erschienen war, schaffte es Duell später sogar in die Kinos jenseits des großen Teiches. Spielberg hatte hier nur begrenzte Mittel und zehn Tage Drehzeit zur Verfügung, was aus heutiger Sicht eine unglaubliche Leistung ist. Der Thriller hat im Lauf der Jahre nichts von seiner Spannung und seiner archaischen Faszination verloren. Ähnlich wie in dem ebenfalls von Matheson geschriebenen Die unglaubliche Geschichte des Mr. C wird ein moderner Mann aus seiner alltäglichen Welt gerissen und muss sich dem uralten Kampf um die nackte Existenz stellen. "There you are, right back in the jungle again!"


Sugarland Express (1974)
Wie Amblin' und Duell ein Roadmovie, das sich gewissermaßen mit den Rollen von Mann und Frau in der modernen Zeit beschäftigt. Und das in jeweils drei verschiedenen Lebensphasen - das Kennenlernen in Amblin', die Bewährungsprobe des ersten Babys wie hier oder später die eingefahrene Ehe in Duell. In allen drei Filmen scheitern Männern an den Erwartungen von Frauen. Bei Duell wird das eigentlich nur durch ein Telefonat am Anfang deutlich, durchzieht sich aber thematisch doch durch den gesamten Film. Dieser Film hier ist im Vergleich zum Happy End von Duell jedoch so etwas wie der Gegenentwurf.


Insofern könnte man diese drei ersten Filmen sogar als eine Art thematische Trilogie sehen. Moderne Männer auf der Straße des Lebens, oder so ähnlich. Paradoxerweise wirken sie vom Thema und der Ambition her reifer und erwachsener als viele der nachfolgenden Filme, die Spielberg erst so richtig berühmt machen sollten. Während er hier sozusagen die Probleme zwischen Mann und Frau thematisiert, widmet er sich später oft der Perspektive des Kindes auf problematische Eltern.


Der weiße Hai (Jaws, 1975)
Der Superknüller, nachdem das Kino nicht mehr dasselbe war wie vorher. Die Massen strömten quasi von den Stränden weg hin zu den Kinos. Viele Filmhistoriker sehen in Jaws ja den ersten Blockbuster und die Geburt des High Concept. Seither findet man in fast jedem Katastrophenfilm eine Variation des opportunistischen Bürgermeisters, der aus Profitgründen die Gefahr herunterspielt. 


Ich erinnere mich noch lebhaft, wie ich ihn das erste Mal im TV gesehen habe, spät abends zu Besuch bei Onkel und Tante. Die Szene, als die Leiche im untergegangenen Boot auftaucht, verfolgte mich dann noch länger in meinen Träumen.


Dabei waren die Dreharbeiten an sich für Spielberg eine ähnlich extreme Tour de Force wie für die Protagonisten. Es gibt nicht umsonst Pläne für einen eigenen Film über die Entstehung des Films. Der Roboterhai namens Bruce war nicht weniger launisch als der Hai im Film. Insgesamt ist das vielleicht Spielbergs ikonischster Film. 


Unheimliche Begegnung der dritten Art (Close Encounters of the Third Kind, 1977)
Zusammen mit Star Wars gilt der Film ja als Grundstein des modernen Science-Fiction-Blockbusters, bei dem das Staunen über Effekte im Vordergrund steht und Charaktere und Story überschattet. Und tatsächlich sind die Effekte hier auch heute noch beeindruckend. Vor allem die Arbeit mit Licht ist faszinierend, und erhielt zu Recht einen Oscar für 'Best Cinematography'. (Den Oscar für Spezialeffekte räumte dann natürlich Star Wars ab.) Verglichen mit heutigen SF-Blockbustern bietet Unheimliche Begegnung aber eine erstaunlich unkonventionelle und vielschichtige Story. Würde man alle Effekte aus dem Film entfernen, bliebe immer noch eine interessante und einmalige Geschichte übrig, die verschiedene Interpretationen zulässt, und aus der man sogar einen Autorenfilm machen könnte. (Herauskommen würde dann wahrscheinlich so etwas wie Take Shelter.)


Man kann Unheimliche Begegnung als die Geschichte eines Familienvaters sehen, der sich zunehmend von seiner Frau und seinen Kindern entfremdet aus Gründen, die für die Familie und selbst für den Zuschauer bis kurz vor Schluss unverständlich bleiben, und der eine andere Frau kennenlernt, die ihn versteht. (Interessant ist in dieser Lesart die Szene, als Julian kurz ihr Dekolletee mit dem Sonnenbrand zeigt.) Insofern wirkt der Film auch wieder wie eine Verarbeitung des Kindheitstraumas der Scheidung der Eltern. Auf ein Kind wirkt die erkaltende Liebe der Eltern wahrscheinlich genauso rätselhaft und unerklärlich wie die Kontaktaufnahme mit Außerirdischen. 


Die Szene, in der Junge aus dem Haus heraus entführt wird, ist in diesem Sinne vielleicht das stärkste Bild des wiederkehrenden Motivs der 'gestörten Idylle'. Andererseits ist der ganze Film auch eine Metapher für Kunst an sich, das Getriebensein von einer Vision und die damit einhergehende Einsamkeit, die Suche nach den richtigen Ausdrucksmitteln und schließlich die Erlösung, wenn alles einen Sinn ergibt. Sowie auch Kunst, speziell Musik als universelle Sprache. Nicht zuletzt ist Unheimliche Begegnung damit auch ein Plädoyer für die friedensstiftende Macht der Kommunikation, das die allgemeine Hoffnung der End-Siebziger im Zuge der Entspannungspolitik wiederspiegelt. Wenn Menschen und Aliens einen Weg der Verständigung finden, dann müssen es auch Amerikaner und Russen.


Unter'm Strich ist Unheimliche Begegnung der dritten Art einer von Spielbergs vielschichtigsten Filmen, eine Schnittstelle zwischen seinen ernsthafteren und seinen Effekt-Filmen.


1941 (1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood, 1979)
Der erste große Sucker in der Retrospektive. Dabei hatte ich mich auf den Film gefreut und war wirklich bereit, ihn zu mögen und als unterschätzte kleine Perle oder sowas zu sehen. Zumal es die erste große Zusammenarbeit von Spielberg und den beiden Bobs Gale und Zemeckis war. Aber es ist irgendwie absolut nicht meine Art von Humor. Keine einzige der Figuren wirkt auf mich auch nur annähernd sympathisch, kein einziger Gag zündet. Viele der typischen Spielberg-Filmverrisse wie 'seelenlose Achterbahnfahrt' trifft auf diesen Film leider so ziemlich zu. Für eine Parodie des Hurra-Patriotismus' dieser Zeit oder des Krieges an sich kann er sich dann doch viel zu wenig von der Verliebtheit in ebenjene Zeit lösen. Obwohl gerade hier das größte Potential gewesen wäre. Der Film müsste entweder wesentlich kranker-sarkastischer oder aber mehr auf den tragikomischen Aspekt einer Hauptfigur fixiert sein.


Auf der Haben-Seite sind eigentlich nur die Old-School-Effekte, wie die durch L.A. tieffliegenden Flugzeuge und natürlich das ins Meer rollende Riesenrad. Und Christopher Lee, der Prototyp des dämonischen Deutschen, der noch in einigen späteren Filmen auftauchen sollte. Das Interessante ist auch, daß - so sehr der Film auch als Gegenpol zu Unheimliche Begegnung gedacht ist, Spielberg hier auch Bezug nimmt auf einen modernen Mythos der Ufologen, der sogenannten Luftschlacht um Los Angeles im Februar 1942.


Raiders of the Lost Ark (Jäger des verlorenen Schatzes, 1981)
Aber da ist er wieder, der Magier Spielberg. Wie Phönix aus der Asche. Vielleicht hatte es dieses "Flops" bedarft, um sich der eigenen Qualitäten bewusst zu werden. Wo 1941 chaotisch und planlos war, ist Raiders fixiert und durchgestylt bis auf die kleinste Einstellung. (Auch bei Gale/Zemeckis wirken viele Ideen, die schon in 1941vorhanden waren, bei Back to the Future wesentlich pointierter und ausgereifter.) Ich sehe hier den Prototypen des modernen Blockbusters eher als bei Jaws.


Wobei andererseits der Bruch zu 1941 auch nicht so riesig ist. Beide Filme nähern sich auf eine ziemlich unbedarft-naive Weise einer Thematik an, die Spielberg in ihren jeweiligen Tragweite erst später ergründen sollte. Der Zweite Weltkrieg in Empire of the Sun und Saving Private Ryan, der Nationalsozialismus in Schindler's List.


Das Interessante an Indiana Jones ist auch, dass Lucas und Spielberg hier stellvertretend mit ihrem Helden das klassische große Hollywood-Kino eine Wiederauferstehung feiern lassen, das mit dem Film Noir eine erste und mit New Hollywood eine zweite, schwerere Brechung fand. Das Wieder-Aufsetzen des Hutes als große filmgeschichtliche Geste. Auch in dieser Beziehung ist Raiders der große, erfolgreiche Bruder von 1941, wo sich der alte Mythos von Hollywood nur im naiven, klischeehaften Staunen der Japaner zeigt.


E.T. The Extraterrestrial (E.T. - Der Außerirdische, 1982)
Tja, was soll man zu diesem Film noch groß zu schreiben. Der Spielberg-Film schlechthin, das zentrale und quintessentielle Werk. Und wohl auch Spielbergs persönlichster Film. Er sagte dazu einmal, daß er sich in diesen Film verliebt hatte, obwohl er das immer zu vermeiden versuchte. Spielberg verarbeitete damit wahrscheinlich ultimativ sein Scheidungstrauma und wurde durch die Dreharbeiten dazu bereit, eine eigene Familie zu gründen. Film ist eben immer auch ein bisschen Therapie.


Vielen Kritikern ist der Film ja zu 'süß' oder zu kitschig. Da der Film aber als modernes Märchen konzipiert ist und aus der emotionalen und naiven Sichtweise von Kindern heraus erzählt wird, konnte ich das nie nachvollziehen. Da kann man auch kritisieren, dass Schneewittchen am Ende wieder lebendig wird oder Peter Pan fliegen kann. Dann hat man aber irgendwie das Wesen von Märchen nicht verstanden. Ich sehe den Film als das vielleicht perfekteste Beispiel für ein magisches Kino des Staunens. Auf jeden Fall ein ziemlich sicherer Top-5-Bestandteil.


Twilight Zone - The Movie (Unheimliche Schattenlichter, 1983)
Der Film war als Hommage an eine der einflussreichsten Fernsehserien überhaupt gedacht. Jeweils vier Segmente wurden von vier verschiedenen Regisseuren inszeniert: John Landis übernahm neben dem Intro die erste Episode 'Time Out', in der ein Rassist in der Zeit zurück versetzt wird zum Vietnamkrieg und ins Nazideutschland. Es ist das einzige der vier Segmente, das nicht auf einer Original-Episode beruht. Nummer 2 ist von Spielberg und heißt 'Kick the Can'. Es ist in einem Altenheim angesiedelt und erinnert etwas an 'Cocoon'. Dann kommen 'It's a Good Life' von Joe Dante mit einer sehr aparten Kathleen Quinlan und 'Nightmare at 20,000 Feet' von Madmax-Erfinder George Miller.


Die letzte Episode ist die gelungenste, nicht zuletzt weil sie auf der berühmtesten Twilight-Zone-Folge beruht. Geschrieben übrigens von Richard Matheson, von dem auch 'Duell' stammt. Im Original war William Shatner in einer passablen schauspielerischen Leistung zu sehen. Hier gibt John Lithgow den panischen Fluggast, der ein Monster auf der Tragfläche eines Flugzeugs zu sehen glaubt. Lithgow sehe ich immer sehr gern, er wäre ein toller Bondgegenspieler oder Joker gewesen.


Überschattet wurde die Produktion von einem der grausigsten Dreh-Unfälle überhaupt. Auf einem Set, das den vietnamesischen Dschungel darstellen sollte, stürzte ein Hubschrauber auf Darsteller Vic Morrow und zwei Kinder, die dadurch geköpft bzw. aufgespießt wurden. John Landis musste sich vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen. Den Film danach fertig zu stellen war sicher nicht leicht.


Obwohl ich Achtziger-Horrorfilme sehr mag, zündet 'Unheimliche Schattenlichter' nicht so richtig. Es gibt nette Effekte und Monster von Rob Bottin. Aber es hätte dann doch ein bisschen gruseliger sein können. Landis' Segent leidet verständlicherweise unter dem Unfall und hat ein anderes Ende als geplant. Ausgerechnet das von Spielberg inszenierte Segment ist leider das am wenigsten spannendste in einem eher mittelmäßigen Film, obwohl es durch Scatman Crothers ('The Shining') und die anderen Schauspieler aber auch ganz unterhaltsam ist.


Indiana Jones and the Temple of Doom (Indiana Jones und der Tempel des Todes, 1984)
Trotz der herausragenden Actionszenen zu Beginn und am Ende wirkt der Film etwas unrund und unangemessen brutal und düster. Ein Punkt, der ja auch immer wieder kritisiert wurde und wird. Mir stößt dieser schwere Mittelteil auch jedesmal unangenehm auf. Es wirkt ein bisschen, als hätte man in 'Octopussy' ein paar Szenen aus 'Lizenz zum Töten' eingebaut. Vielleicht ist das ja auch dem schockierenden Unfall am Set des Vorgängerfilms geschuldet, und vielleicht wollte Spielberg unter diesem Eindruck Tod und Leid nicht zu cartoonhaft darstellen.


Immerhin rückte der Film das Problem der Kinderarbeit in den öffentlichen Fokus. Das gesamte Indien-Setting inklusive Ekel-Dinner erinnert stark an den 83er James-Bond-Film Octopussy, während sich Im Angesicht des Todes ja dann wiederum an die Minenszenen von 'Tempel des Todes' anlehnte. Eine Art filmischer Dauer-Flirt.


Es folgen zwei Episoden einer Fernsehserie, die Steven Spielberg mit produziert hat:


Amazing Stories: The Ghost Train (Unglaubliche Geschichten: Der Geisterzug, 1985)

Eine Familie holt den Großvater zu sich nachhause. Dieser freut sich zwar sehr, seinen Enkel wiederzusehen, ist aber wenig davon begeistert, dass sein Sohn das Haus auf der Strecke einer früheren Eisenbahnlinie gebaut hat. Als der alte Mann selbst ein Kind war, ist er auf den Schienen eingeschlafen. Als sich ein Zug näherte, machte der Lokführer eine Vollbremsung, durch die der Zug entgleiste und alle Passagiere starben. Nun ist er von der Idee besessen, dass der Zug noch einmal einfährt, um ihn abzuholen.


Die Grundidee ist sehr vielversprechend. Leider hat mich die Auflösung dann nicht so ganz überzeugt, auch wenn sie für eine Serienepisode sehr trickreich und aufwändig realisiert ist. Aber es zeigt sich hier schon sehr gut das Grundthema der Serie, ein Plädoyer für den Glauben an das Phantastische, Magische. Es geht häufig um Generationenkonflikte oder auch um klassische Bühnenmagie. Etwa in den Folgen 'The Amazing Falsworth' und 'Mr. Magic' (die ich ehrlich gesagt insgesamt überzeugender und runder fand).


Amazing Stories: The Mission (Unglaubliche Geschichten: Die Notlandung, 1985)

Die Folge ist als Zweiteiler angelegt und wurde 1986 noch einmal als Spielfilm veröffentlicht, zusammen mit den Folgen 'Mummy Daddy' (Die Mumie) und Robert Zemeckis' Doppelfolge 'Go the head of the Class' (Der ungeliebte Lehrer) aus der zweiten Staffel. Die Geschichte spielt während des 2. Weltkriegs und dreht sich um die Besatzung eines Bombers. Der wird von Trümmern eines deutschen Flugzeugs getroffen, wodurch der kugelförmige Waffenturm unter dem Rumpf des Bombers so eingeklemmt wird, dass man den jungen MG-Schützen darin nicht herausholen kann. Gleichzeitig wurde das Fahrwerk beschädigt, so dass auf dem Rumpf schliddernd notlanden müsste - was den jungen Soldaten mit Sicherheit töten würde.


Die Atmosphäre ist hier wirklich außerordentlich gut gelungen und hat etwas von 'Das Boot' in der Luft. Im Prinzip nimmt die Story an Bord einer 'Flying Fortress' der US-Luftwaffe einiges von 'Memphis Belle' (1990) vorweg. Kamera und Ton der Folge gewannen auch einen Emmy. Die Besetzung ist mit Kevin Costner als Captain sowie Kiefer Sutherland hochkarätig. Im Prinzip ist es nach Indiana Jones und 1941 sogar Spielbergs erste ernsthaftere Auseinandersetzung mit dem Thema Zweiter Weltkrieg. Aber ähnlich wie bei 'Der Geisterzug' funktioniert die Schlusswendung für mich nicht so richtig, trotz einer tollen Grundidee und überdurchschnittlichem Handwerk, sondern wirkt etwas 'too much' und gewollt. Vielleicht braucht Spielberg die massive Größe und Vorbereitung von Kinofilmen, um seinen 'I want to believe'-Ansatz etwas zu erden und glaubwürdig zu machen. Grundsätzlich muss ich auch feststellen, dass mit vielen früheren Anthologie-Serien nicht so richtig warm werde. Das hatte ich auch bei 'Tales from the Crypt'. Die meisten Regisseure neigen hier aufgrund der Kürze zu einer sehr klischeehaften Überspitzung. 'Black Mirror' war eigentlich die erste Serie, die mich vollständig von diesem Konzept überzeugt hat.


Aber vielleicht geht man auch mit zu hohen Erwartungen an eine Serie von 1985, die damals sicher Maßstäbe setzte und Zuschauer begeisterte. Mal schauen, wie sich die Folgen noch so entwickeln.


The Color Purple (Die Farbe Lila, 1985)

Der erste von Spielbergs bewusst als künstlerisch anspruchsvoll und nicht als reine Unterhaltung angelegte Film - wenn man von Sugarland Express mal absieht, der ja auch schon eher in Richtung Drama ging. Der Film gefällt mir von diesen historischen Dramen insgesamt mit am besten, da hier der Anspruch und Spielbergs spielerischer Inszenierungsstil noch sehr gut harmonieren. Obwohl er mir als Drama über die Diskriminerung der Schwarzen durch Weiße in Erinnerung war, ist es eher ein Film darüber, daß es auch innerhalb der schwarzen Gemeinschaft Unterdrückung und Gewalt gab, wie hier etwa gegen Frauen. Eigentlich selbstverständlich, weil menschlich, wurde aber seinerzeit wohl als Rassismus kritisiert. Und das, obwohl es auf den Erinnerungen von Alice Walker basiert, die auf Spielbergs Wunsch die historische Genauigkeit des Dreharbeiten überwachte. 


Empire of the Sun (Das Reich der Sonne, 1987)

Ebenfalls ein Film, der auf einer autobiografischen Vorlage beruht und in einer historischen Epoche angesiedelt ist. Geradezu bombastisch finde ich hier die Massenszenen relativ am Anfang in Shanghai, die man wohl zu den aufwändigsten historischen Massenszenen der Filmgeschichte zählen kann. Sehr beeindruckend auch das Spiel des damals 13jährigen Christian Bale, der schon früh sein schauspielerisches Ausnahmetalent zeigt. Wie immer wartet Spielberg mit sehr schönen visuellen Ideen auf, die hier aber oft wie ein Selbstzweck wirken. Etwa die an sich sehr beeindruckende Szene, wenn Jim die Atombombenexplosion von Hiroshima als eine Art Zeichen höherer Gewalt deutet. Das hat aber auf die Handlung wenig Auswirkungen, da er schon kurz darauf wieder ernüchtert ist.


Indiana Jones and the Last Crusade (Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, 1989)

Endlich kehrt Spielberg zurück zu reiner Kinomagie, was ihm nach dem enttäuschenden Einspielergebnis von Empire auch wieder an die Spitze der Kinocharts brachte. Spielberg beweist hier, dass der dritte Teil einer Trilogie nicht zwingend der Schwächste sein muss (was George Lucas mit 'Die Rükkehr der Jediritter' nicht ganz gelang). Im Gegenteil, Crusade konkurriert für mich seit Jahren mit dem ersten Indy-Film um den ersten Platz. Die Idee, den strengen Vater eines Kinohelden ins Spiel zu bringen, sorgt für selbstironischen Humor mit Screwball-Qualitäten. 


Insgesamt leider der letzte Film für mich, der die Spielberg-typische Popcorn-Achterbahn in der bekannten, unglaublich unterhaltsamen Perfektion zeigen. Ab hier zeigt sich zunehmend sein Bestreben, den 'Geruch von Popcorn', wie er selbst nannte, loszuwerden. Das schaffte er zwar, aber er verlor damit auch zunehmend diese einmalige Strahlkraft und Kino-Magie.


Always (1989)

An diesem Film, ein Remake eines Kriegsfilms aus den 40ern, zeigt sich wieder Spielbergs Begeisterung für das Fliegen. Aber es ist für mich leider eines der Werke, die nicht so richtig zünden. Wenn man bedenkt, dass ein Jahr später mit 'Ghost' eine Geister-Romanze einen Megahit landete, fragt man sich schon, woran das liegt. Ich denke, die Regie war zu versponnen und selbstverliebt, und mit Richard Dreyfuss und Holly Hunter nicht massenkompatibel besetzt.


Hook (1991)

Süßer der Williams nie klingelte... Und ein weiterer Film, mit dem ich wenig anfangen kann. Grundsätzlich tue ich mich eh schwer mit dieser Peter-Pan-Begeisterung der US-Amerikaner. Neben 'The Wizards of Oz' ist das ja eine Art archetypische Erzählung, die sich in Hollywoodfilmen immer wieder findet. Ich finde beide dramaturgisch bei weitem nicht so grandios und universal, wie es von diversen Drehbuchgurus vermittelt wird. Tatsächlich habe ich den Film trotz zweimaligen Sehens schon wieder komplett vergessen. Und für den Marathon war es einer von zwei Bottle-neck-Filmen, die ich lange vor mir her geschoben habe, insofern werde ich ihn wohl kaum ein drittes mal sehen. Spielberg selbst sieht ihn ja auch als einen seiner eher missglückten Filme.


Jurassic Park (1993)

Und da war er trotz Unkenrufen wieder, der Popcorn-Magier, und er schlug wieder ein wie ein Asteroid. 'Jurassic Park' stellt in meiner Biographie einen der Filme dar, die mich besonders beeinflusst haben. Und zwar insofern, dass ich den unbedingt sehen wollte, aber niemanden in meinem Umfeld zum mitkommen motivieren konnte. Die kleinen lokalen Kinos hatte alle dichtgemacht, und die neu erbauten Cineplexxe waren alle weiter entfernt. Mit viel Mühe und indem ich Fahrt- und Kinokosten komplett übernahm, konnte ich einen Kumpel schließlich überreden, dafür in ein 70 Kilometer entferntes UCI zu fahren. Der (Neu-)Beginn einer wunderbaren Freundschaft zum Kino, die ich die kompletten 90er hindurch mit mindestens einem Film pro Woche zelebrierte. Tja, ich war jung und das Benzin billig. 


Gemessen an diesem Einfluss fand ich den Film an sich dann gar nicht soo gut wie erwartet. Ich hatte vorher den unter dem Titel 'Dino Park' erschienenen Roman von Michael Crichton gelesen, und fand den wesentlich härter und auch philosophisch und wissenschaftlich viel tiefgehender. Ich weiß noch, dass der Film in der Bravo als "Der weiße Hai an Land" beworben wurde, und exakt das hatte ich auch erwartet. Okay, manche Szenen gehen schon in diese Richtung, vor allem die T-Rex-Attacke in der Mitte, aber man merkt doch schon deutlich die angestrebte Kompatibilität für die kindlichen Saurierfans. 


Aus heutiger Sicht ist es aber schon ein moderner Klassiker, und leider auch einer der letzten großen Spielberg-Popcornfilme.


Schindlers List (1993)

Das war der zweite Film, den ich sehr lange vor mir hergeschoben hatte. Nicht, weil ich ihn nicht so gelungen finde, sondern weil er eben sehr schwer ist und man dafür in der richtigen Stimmung sein muss. Ich tue mich eh zunehmend schwerer mit Filmen, die drei Stunden und länger sind. Auf der rein handwerklichen Ebene ist er unglaublich beeindruckend und im Prinzip perfekt. Sicher Spielbergs beste Arbeit. Von allen Versuchen, die goldene Schwarz-weiß-Ära Hollywoods wiederzubeleben, finde ich ihn am gelungensten. Einige Einstellungen könnten eins zu eins aus einem der klassischen Noirs der 40er stammen. Auch schauspielerisch sehr beeindruckend, vor allem von Liam Neeson und Ralph Fiennes. 


Spielbergs Mission, die Kritiker verstummen zu lassen, die meinten, er könne nur Popcorn und sei für dramatischere Stoffe nicht reif genug, war mit diesem Film ultimativ gelungen. Das Wunderkind war so erwachsen geworden, wie man es nur werden kann. Diesen Film im selben Jahr wie 'Jurassic Park' herauszubringen, war schon ein unglaublicher Coup, und zementierte Spielbergs Platz in der Filmgeschichte mit Ausrufezeichen. 


Auf der inhaltlichen Ebene finde ich den Film allerdings nicht so perfekt wie auf der handwerklichen. Komischerweise traut man sich bei diesem Film kaum, Kritik anzubringen. Aber ich glaube nicht, daß ein Thema einen Film automatisch unangreifbar macht. Und es gab ja auch viele prominente Regisseure wie Godard, die den Film kritisierten. Ein Aspekt betrifft etwa die Szene gegen Ende, als ein von Schindler angeforderter Waggon mit Arbeiterinnen irrtümlich im KZ landet, die Waschräume dort sich aber dann doch als normale Waschräume entpuppen. Solche Dinge zur Erzeugung von Suspense zu benutzen, empfinde ich auch als unpassend. Auch dass Spielberg ganz allgemein die geschichtlichen Hintergründe benutzt, um eine klassische Hollywood'sche Heldenreise zu zeigen, mit einem strahlenden Helden und einem fiesen Schurken, der am Ende seine gerechte Strafe kriegt, hinterlässt bei mir ein komisches Gefühl. Der Film entlässt den Zuschauer mit einer Art Absolution, die es in der Realität so nie gab. Ich glaube, dass viele Deutsche ihn deshalb so hoch schätzen. Die Kritik, dass der Film hier einen guten Deutschen als Helden präsentiert, teile ich dagegen nicht, denn die gab es nun mal tatsächlich häufiger, als man heute den Eindruck bekommt.


The Lost World: Jurassic Park (Vergessene Welt: Jurassic Park, 1997)

Auf den hatte ich mich nach 'Schindlers Liste' richtig gefreut. Ich mag einige Sequenzen, wie den Angriffe der T-Rexe auf den Trailer, und vor allem den T-Rex am Ende in San Diego. Die obligatorischen Kinderdarsteller sind nicht so extremst nervig und man sieht mehr Saurier-Action. Aber insgesamt fällt er doch schon ziemlich ab gegenüber dem ersten Film. Lustig finde ich bei den Jurassic-Filmen immer, dass man ständig betont, wie hochentwickelt die Saurier waren entgegen früherer Vorstellungen, aber sie gleichzeitig als extremst blutrünstig darstellt. Wenn man bedenkt, wie übertrieben die Darstellung einer realen Tierart wie weißen Haien bei ihm ist, dann frage ich mich immer, wie das wohl erst bei ausgestorbenen Tieren sein mag.


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