Montag, 27. April 2026

KI: Kumulative Inkompetenz

Vor circa 30 Jahren passierte etwas, das in vieler Hinsicht heutige Entwicklungen vorausschattete. Anfang 1996 gewann erstmals ein Schachcomputer - Deep Blue von IBM - gegen einen amtierenden Weltmeister, den Russen Garri Kasparow. Kasparow hatte in den 1980er Jahren seine Überzeugung geäußert, nie von einem Computer besiegt werden zu können. Selbst ein Schachduell gegen "die Welt", das offen über das Internet geführt wurde und an dem sich jeder per Abstimmung beteiligen konnte, hatte Kasparow für sich entschieden. Später gab Kasparow an, die Niederlage gegen Deep Blue mit fast körperlichen Schmerzen erlebt zu haben.

Dieses vernichtende Gefühl, von einem Computerprogramm auf einem Gebiet überflügelt zu werden, von dem man immer geglaubt hat, daß es nur Menschen so möglich ist, steht einigen Experten zufolge fast jedem heute lebenden Menschen bevor. Seit das Internet von immer realer aussehenden Clips überflutet wird, bekommen viele so langsam eine Ahnung davon, wie es sich auf die Filmbranche auswirken wird. Der renommierte Drehbuchautor und Regisseur Paul Schrader, der Klassiker wie Taxi Driver oder Raging Bull geschrieben hat, sieht KI-Drehbuchsoftware jetzt schon auf mindestens demselben Niveau wie Menschen. 

Ist Film also vorbei? Zumindest in einem klassischen Sinn, in dem sich Autoren Geschichten ausdenken, Produktionsfirmen Millionenbeträge auftreiben müssen und eine kleine Armee von Kreativen in Studiokulissen oder an realen Orten mit physischen Schauspielern und Kameras diese Geschichten realisiert? Wenn es tatsächlich so kommen sollte, hat die Filmindustrie selbst diese Entwicklung nicht nur mit verschuldet, sondern ihr sogar fruchtbaren Boden bereitet.

Sonntag, 19. April 2026

Als die Sterne fliegen lernten

Warp-Flug mit sich bewegenden Sternen
Foto von Anton Filatov auf Unsplash
Jeder hat wohl andere kleine Rituale an einem verregneten Sonntag. Für mich ist es oft das Schauen einer Folge Star Trek - Das nächste Jahrhundert mit einer Tasse Earl Grey. Die heutige Folge war Todesangst beim Beamen mit einem famosen Dwight Schultz, eine kleine Empfehlung an dieser Stelle. Ein zentrales Bild des Star-Trek-Franchise' - und mittlerweile auch vieler anderer - ist eine dreidimensionale Darstellung des Weltraums mit sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegenden Sternen. Ein ebenso simpler wie genialer Effekt - steht er doch für die zentrale Sehnsucht in der Science Fiction, die Erde als Wiege der Menschheit zu verlassen und in andere Welten aufzubrechen. Für Zuschauer, die dieses Bild zum ersten Mal sahen, hatte es sicher etwas elektrisierendes. Aber wann genau war dieser Effekt eigentlich zum ersten Mal zu sehen? 

Mittwoch, 15. April 2026

Nachspiel einer Katastrophe

Die Titanic-Katastrophe aus deutscher Sicht, Teil 2

Rund 40 Jahre nach dem umstrittenen Titanic von 1943 widmete sich wieder eine deutsche Produktion der berühmtesten Schiffskatastrophe der Geschichte: Titanic - Nachspiel einer Katastrophe. Anders als die meisten Filme zum Thema, die den Untergang nur als Hintergrund für fiktive melodramatische Geschichten nutzen, beruht das Gerichtsdrama auf Protokollen des US-amerikanischen Untersuchungsausschusses und liefert damit ebenso fundierte wie aufschlußreiche Einblicke in die Untersuchungen und die Reaktionen der Beteiligten. Trotz seines Alters von mittlerweile über 40 Jahren wirkt das Fernsehspiel auch heute noch überzeugend und spannend, und zeigt, was Öffentlich-Rechtliches Fernsehen leisten konnte.


Dienstag, 14. April 2026

Ein Drama auf See

Die Titanic-Katastrophe aus deutscher Sicht, Teil 1

Illustration von Willy Stöwer für die Zeitschrift Die Gartenlaube 
Heute vor 114 Jahren hatte die RMS Titanic den letzten Tag ihrer Jungfernfahrt hinter sich und kollidierte in der Nacht zum 15. April mit einem Eisberg. Das Unglück des britischen Luxusliners fasziniert bis heute mehr als jedes andere Schiffsunglück seitdem, und ich möchte die Jahrestage des Unglücks hier zum Anlaß nehmen, über unterschiedliche filmische Perspektiven auf die Katastrophe zu schreiben - in diesem Jahr die deutsche Perspektive. Obwohl der Untergang des Luxusliners vorrangig eine britische Angelegenheit war, waren die ersten Spielfilme darüber interessanterweise deutsche oder deutsch-sprachige Produktionen. Darunter auch die unter dem NS-Regime entstandene Verfilmung Titanic von 1943. 

Im zweiten Teil geht es dann um das deutsche Fernsehdrama Titanic - Nachspiel einer Katastrophe von 1984, das sich als einer der sehr wenigen Filme auf den Untersuchungsausschuß nach der Tragödie konzentriert. Ein heute fast vergessenes Werk, das aber nichtsdestotrotz einer der bemerkenswertesten Beiträge zum Thema ist!

KI: Kumulative Inkompetenz

Vor circa 30 Jahren passierte etwas, das in vieler Hinsicht heutige Entwicklungen vorausschattete. Anfang 1996 gewann erstmals ein Schachcom...