Mittwoch, 27. Mai 2026

Heute vor 100 Jahren...

Lust auf eine kleine Zeitreise, in das Berlin des Jahres 1926? Dort passierte heute vor genau 100 Jahren etwas, was filmgeschichtlich relevant ist, von dem es aber heute fast keine Spuren mehr gibt. Wer aus der Gegenwart im Berlin von 1926 ankommen würde, würde eine komplett andere Stadt erleben. Fast so als würde man heute von Berlin nach London reisen. Ankommen würde man mit der Bahn im Anhalter Bahnhof, von dem heute nur noch die Ruine des Portikus existiert. Seinen Namen hatte er durch seine Verbindung ins Anhaltische Dessau und Köthen, die 1841 eröffnet wurde. Über den Anhalter Bahnhof war Berlin unter anderem mit Wien, Karlsbad, Rom, Venedig, Nizza und Athen verbunden. Die Halle des riesigen Kopfbahnhofs war imposant, und brauchte den Vergleich mit entsprechenden Bahnhöfen in London oder Paris nicht scheuen. 

Von der Bahnhofshalle führte exklusiv ein eigener Tunnel direkt in die Lobby des Hotels Excelsior. Vielleicht ging vor 100 Jahren ein frisch verlobtes britisches Paar durch diesen Tunnel, um im Excelsior einzuchecken. 


Excelsiortunnel
An beleuchteten Schaufenstern vorbei ging es unter der Königgrätzer Straße - heute die Stresemannstraße - hindurch in die mondäne Lobby des Hotels. Das Hotel hatte 200 Zimmer. Natürlich existiert das Excelsior heute ebenfalls nicht mehr. Auch der Excelsior-Tunnel wurde in den 1980er Jahren zugeschüttet, unter Protesten der Bevölkerung. 






Rezeption des Hotels Excelsior

Das Hotel von außen

Würde man aus der Lobby hinaustreten, könnte man auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen imposanten Bau an einer Kreuzung erblicken: das Königliche Museum für Völkerkunde.

Gegenüber diesem Museum auf der anderen Straßenseite befand sich ein Kino, die Schauburg. Es wurde im Saal des ehemaligen Lokals "Zum Hofjäger" eingerichtet, in dem volkstümliche Konzerte stattfanden. Während der Novemberrevolution gab es hier Reden von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die im Excelsior wohnten. Von diesem Kino existieren heute leider nicht einmal Fotos, zumindest nicht von der Außenansicht. Es diente als Berliner Premierenkino der Münchner Lichtspielkunst-Filmproduktion, kurz Emelka genannt. 

Saal des Konzertsaals Zum Hofjäger, später zum Kino Schauburg umgebaut

Am 27. Mai 1926 feierte dort ein Film von einem noch eher unbekannten britischen Regisseur Premiere, der später einmal als einer der besten Regisseure der Filmgeschichte gelten wird: Alfred Hitchcock. Es war seine zweite Regie-Arbeit mit dem Titel Der Bergadler (The Mountain Eagle), eine britisch-deutsche Koproduktion. Der Film fand jedoch weder ein großes Publikumsinteresse, noch erhielt er überschwängliche Kritiken. 

Ob Alfred Hitchcock und seine spätere Frau Alma Reville tatsächlich im Hotel Excelsior eincheckten, um der Premiere beizuwohnen, ist nicht mehr bekannt, wie so vieles zu dieser Produktion.

Heute gilt dieser Film als verschollen, es existieren nur noch einige production stills sowie Bilder der Dreharbeiten. (Mehr dazu hier.) Die Emelka-Studios verschwanden ebenfalls, beziehungsweise fanden buchstäblich ihr 'Waterloo': Nach einem Monumentalfilm um die letzte Schlacht Napoleons ging das Studio in Konkurs und später in die noch heute existierende Bavaria Film über.

Ebenso verschwunden wie dieser Film sind das Kino, in dem er lief, das Museum gegenüber, das Hotel und der Bahnhof. Und eigentlich auch die gesamte damalige Stadt, die vor Leben pulsierte. 

Das Königliche Museum für Völkerkunde. Links außerhalb des Bildrands war das Kino 
Schauburg, von dem keine Bilder mehr existieren.


Die Stelle, an der das Kino stand, heute.




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